Projekt: Small Talk – Basics für die Unterhaltung      4.12.19-20.12.19

„Small TalkBasics für die Unterhaltung“.

Das Projekt für fortgeschrittenere aphasisch-Betroffene von Mittwoch, 4.12.2019 bis Freitag, 20.12.2019 (17 Projekttage / 15 Übernachtungen)

Wir laden all die aphasisch Betroffenen ein mitzumachen, die motiviert sind, über einen Zeitraum von 17 Projekt-Tagen (15 Übernachtungen) „stramm“ 30 – 40 Sätze (Items) fehlerfrei vorlesen und fehlerfrei sprechen zu lernen und damit in dialogischen Formaten mit anderen – in Small talks bzw. auch in Diskussionen, sprecherisch „mitmischen“ zu können.

Intention des Projekts:

Es soll daran gearbeitet werden, dass sogenannte Impuls- und Reaktions-Items (Aussagen, Fragen, Bemerkungen) fehlerfrei laut gelesen, fehlerfrei und weitestgehend auswendig gesprochen werden können.  

Diese Items werden im Laufe des Projekts immer besser eingeprägt (gespeichert, memoriert), in zunehmend konversationellen Interaktionsformaten (small-talk) angewandt und von den teilnehmenden Personen als Gesprächs-Gestaltungs-Instrument erlebt / ausprobiert.

Täglich führen wir 3 Gruppenarbeits-Sitzungen a 45 Minuten unter sprachtherapeutischer Führung durch (Gruppensitzungen).

Täglich zieht sich jede teilnehmende Personen 2 x 30 Minuten lang (morgens, nachmittags) in das Apartment zurück und übt allein mit Hilfe der Projekt-Lern-DVD, ohne Berechnung, aber supervidiert, insgesamt ca. 32 mal in der ganzen Zeit.

Es findet eine eingangsdiagnostische und eine enddiagnostische Erfassung der sprachlichen Stati statt (Einzeln / in der Gruppe).

Jeder bekommt bei Teilnahme an diesem Projekt ein detailliertes Skript und die speziell für dieses Projekt hergestellte Video-DVD zum begleitenden Üben zur Verfügung gestellt, die nach Beendigung des Projekts für das nachbereitende Üben gegen einen Kostenbeitrag von 45,- € mit nach Hause genommen werden kann.

Zur Abrechnung mit der Krankenkasse ist ein Rezept über 43 x logopädische Gruppen-Therapie (a 45 Min. wegen Aphasie) und ein Rezept über 10 x logopädische Einzeltherapie (a 45 Min. wegen Aphasie; für eventuell Einzelmaßnahmen, Exploration u.ä.) mitzubringen.

Für jede teilnehmende Person wird ein Abschluss-Bericht erstellt, den Sie bitte zu Hause Ihrer Logopädin /Ihrem Logopäden und Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt zur Kenntnis bringen.

Begrenzte Teilnehmerzahl; die Plätze werden im Windhundverfahren vergeben.

Einblicke in die Didaktik des Projekts

von Dr. Volker Middeldorf

Aufgrund des Sprechfähigkeits-Verlustes und des damit einhergehend erlebten Verlustes bisheriger Kommunikations-Möglichkeiten bedarf es doppelt orientierter Interventionen. Nötig sind:

  • Einerseits gezielte, symptombehandelnde Therapie-Maßnahmen zur Verbesserung der Performanz und
  • andererseits sogenannte Lernprozesse zu „taktisch-kommunikationsstrategischem Handeln, die trotz der momentan geringeren sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten über das Erlernen kurzer, hochfrequent geäußerter Items eingeleitet werden sollten

Die taktisch-kommunikationsstrategischen Mittel sind verhaltens-modifizierenden Therapie-Inhalte, die das kommunikativ-sprecherische Verhalten bewusst machen, ergänzen und verändern können.

Projekt-Intention

Die aphasisch betroffene Person soll durch neue, positive Erfahrungen mit Neu-Verhalten und in der Anwendung neuer Konzepte bei einer Zweier-Unterhaltung neues Sicherheitsgefühl erlangen.

Das jetzt anlaufende Projekt „Small talk – Basics für die Unterhaltung“ dient genau diesem Zweck.

Kurz: Der aphasisch betroffenen Person wollen wir die Möglichkeit bieten, in „neue Unterhaltungs-Situationen“ zu kommen und gleichzeitig kaum reden zu müssen.

In einer solchen Konstellation werden dem Gesprächspartner große Redeanteile zugewiesen. Die so entstehende sprecherische Dominanz muss die aphasische Person dem Gesprächspartner in einer Unterhaltung nicht nur zu billigen sondern diese sogar gezielt befördern.

Dazu stellen sich Fragen wie:

  • Wie bekommt man den Gesprächspartner dazu, in der Unterhaltung sprecherisch die größten Redeanteile zu übernehmen ?
  • Wie kann man die Gesprächsanteile eines Gesprächspartners steigern, ohne dass man regulativ auf das Zweier-Gespräch einwirkt ?

Unser Projekt versucht, Antworten darauf zu finden.

Erfahrungsgemäß ist das Motiviert-Sein zu einer Unterhaltung, auch der Spaß, den eine beteiligte Person an der Unterhaltung mit dem Gesprächspartner hat, der Motor einer jeden (ungezwungenen) Unterhaltung.

Das Gefühl und das Erleben, dass man als Sprecher (Sender) in einer Unterhaltung dem Gesprächspartner (Empfänger) etwas Interessantes erzählen kann, macht Freude ebenso wie die Tatsache, dass man vom Gegenüber angehört wird und dass dieser auf das Gesprochene reagiert.

In einer „netten“ Unterhaltung kommt jeder „zu seinem Recht“

Was gehört noch dazu, damit eine Unterhaltung voller Freude, Motivation und mit gegenseitigem Interesse stattfindet?

Freude kommt auf beiden Seiten dann auf, wenn beide Gesprächspartner erleben, dass sie „zu ihrem Recht“ kommen.

Die aphasisch betroffene Person kommt dann „zu ihrem Recht“, wenn sie sich ernst genommen fühlt und z.B. Einfluss nehmen kann auf die Thematik, auf die Dauer und die Örtlichkeit der Unterhaltung und wenn sie damit den Verlauf des Gesprächs strategisch-taktisch erfolgreich steuert.

Die aphasisch betroffene Person wirkt dann mit gewisser Eigenbestimmtheit und „neuem“ Selbstbewusstsein auf das Kommunikationsgeschehen während der Unterhaltung ein.

Ein Gefühl des Sich-Unterhalten-Könnens auf gleicher Augenhöhe fördert die Entwicklung des sich Emanzipiert-Fühlens. Im Zusammenhang mit den eigenen Einfluss-Möglichkeiten auf die Gesprächsprozesse entstehen wichtige Erfahrungen.

Jede nicht-aphasische Person, die an einer Unterhaltung mit einem aphasisch betroffenen Menschen teilnimmt, möchte auch zu ihrem Recht kommen.

Das gelingt, wenn sie Gelegenheit bekommt, ihre persönliche Geschichte der aphasisch betroffenen Person zu erzählen und eigene Gedanken auszuführen.

Denken Sie nun an Ihre spezielle Rolle in einer Unterhaltung. Sie können als aphasisch betroffene Person Freude bei Ihrem nicht-aphasischen Gesprächspartner aufkommen lassen dadurch, dass sie ihn „zu seinem Recht“ kommen lassen.

Sie als aphasisch betroffene Person geben Ihrem Gesprächspartner Gelegenheit, Ihnen seine persönliche Geschichte zu erzählen.

Im Idealfall stößt hier sein Sprechbedürfnis (auf Seiten des Senders) auf Ihr Interesse bzw. auf Ihr Bedürfnis nach neuen Informationen (bei Ihnen als Empfänger).

Jede Gelegenheit, in einer Unterhaltung die eigene Erzählung unter zu bringen, macht die sprechende Person (Sender) zufrieden.

Wenn Ihr Gesprächspartner dann noch spürt, dass er Ihnen „tatsächlich etwas erzählen kann, was Sie interessiert !“, dann spricht er mit Freude. Und dieser Gefühlszustand bleibt in guter Erinnerung. Das Gespräch hatte für Ihren Gesprächspartner einen guten Verlauf. Das Urteil lautet: Das war eine sehr nette Unterhaltung.

Für die aphasische Person sollte daher in einer Gesprächs-Situation stets das Bestreben sein, dafür zu sorgen, dass die sprechende Person denkt: „Sie/er (die aphasisch betroffene Person) interessiert sich für meine Geschichte. Sie hat mich gebeten, ihr das zu erzählen! Wenn ich ihr damit einen Gefallen tun kann, dann erzähle ich gern weiter!“

In unserem Projekt Small Talk – Basics für die Unterhaltung verknüpfen wir strategisch beide Aspekte:

Einerseits das Sprechbedürfnis beim Gesprächspartner zu „befeuern“ und andererseits das Bedürfnis der aphasisch betroffenen Person, sich an einer Unterhaltung beteiligen zu können, zu befriedigen.

Wir streben in diesem Projekt an, dass beide Gesprächspartner „zu ihrem Recht“ kommen können und auf dieser Basis ein „angenehmes“ Gespräch führen lernen.

Die projektmäßige Gestaltung eines so „funktionierenden“ Gesprächs soll übungsmäßig so erfolgen, dass wir mit minimal-sprecherischem Einsatz ein maximal-kommunikatives Geschehnis generieren, in dem sich beide Gesprächspartner wohl fühlen können.

Die aphasisch betroffene Person lernt, den Verlauf des Gesprächs mit Impuls-Items und Reaktions-Items erfolgreich zu steuern.

Sie setzt mit diesen Items Sprechstimuli während des Unterhaltungs-Gesprächs und beeinflusst auf diese Weise das Verhalten des Gegenübers.

Das Anliegen und Ziel dieses verhaltensmodifizierenden Vorgehens in dem Projekt heißt:

Die aphasisch betroffene Person soll sensibilisiert und davon überzeugt werden, dass sie mit den zu lernenden und zu beherrschenden Items den Verlauf jeder Unterhaltung steuern kann.

Schritte in die „neue Welt des Gesprächs mit aphasischem Handicap“

Das interindividuelle Interesse aller Projekt-Teilnehmer ist „sich wieder unterhalten zu können“ und so das persönliche Gefühl des Nicht-Könnens in dialogisch-sprecherischen Situationen zu beseitigen.

Durch Neu-Aufbau funktionellen Sprach-Handelns (Sprech-Übungen) und zusätzliche Ideen zu einer Entwicklung neuer Handlungs-Konzepte in Unterhaltungen können sie ihre Unzufriedenheit mit ihrer persönlichen Performanz abbauen.

Die aphasisch Betroffenen lernen, den schmerzlichen Verlust an sprecherischer Ausdrucksvielfalt dadurch kompensiert zu bekommen, dass sie ein neues Verhaltenskonzept im sprachlich-kommunikativen Geschehen entwickeln und dieses dann zunächst im Small Talk im konkreten Umgang mit ihren Gesprächspartnern anwenden.

Wenn ihnen gelingt, mit dem neu gelernten Sprach- und Sprech-Vermögen in die Unterhaltung einzusteigen, dann verkleinern sie das „Gefälle“ zwischen sich und den nicht aphasisch betroffenen Menschen. Dann brauchen sie sich in ihren Gesprächen mit anderen nicht mehr „reduziert“ auf nur ein, zwei Alltagsfloskeln oder auf „Ein-Wort-Sprache“ zu fühlen.

Mit dem Projekt Small Talk – Basics für die Unterhaltung können wirksame Schritte zum „Sich-mit-einer-Person-wieder-Unterhalten-Können“ gemacht werden. Man kann lernen, wieder ein Gespräch über einen längeren Zeitraum hinweg führen zu können und man kann sich so peu a peu wieder Sicherheit im kommunikativ-sprecherischen Umgang zurück holen.

Didaktische Überlegungen

Bei der Restitution von Sprache geht es sowohl um die Triggerung vorhandener, prämorbider sprachlicher Kompetenzen und Erfahrungen im Umgang mit Sprache und Kommunikation einerseits und auch um den Neu-Aufbau der sprachlichen Funktionen, die durch das hirnschädigende Ereignis „gelöscht“ wurden andererseits.

Weil der willentliche Abruf bestimmter Sprach- und Sprechhandlungen aufgrund der abgestorbenen Nerven nicht mehr funktionieren kann, müssen neue Sprach- und Sprech-Handlungen in gesunden Hirn-Arealen gelernt werden.

In dem Projekt Small Talk – Basics für die Unterhaltung lernen die aphasisch betroffenen Personen neue sprachliche Handlungs-Möglichkeiten kennen und diese unter therapeutischer Lenkung gezielt auszuführen. So erweitern sie ihr aktuell eingeschränktes sprachlich-kommunikatives Handlungs- und Verhaltensspektrum durch Neu-Lernen von Funktionen, die durch die Hirnschädigung verloren gegangen sind.

Bei diesen Neu-Lern-Prozessen wird immer auch Neu-Gelerntes mit dem Erfahrungsschatz aus prämorbider Zeit verknüpft und auf prämorbide Kompetenzen zurückgegriffen.

Das Lernen nach den Prinzipien des PmL-S

Wir arbeiten nach den Prinzipien des PmL-S, des polimodal-multisensorischen Lernens von Sätzen.

Dabei sehen aphasisch betroffene Menschen nach und nach verschiedene, ihnen bekannte Handlungs-Abläufe in Video-Szenen und können diese unmittelbar verstehen.

Dazu nehmen sie modellhafte Sätze als Handlungsbeschreibungen gesprochen und geschrieben wahr. Sie sollen sich auf diese Sätze fokussieren, sie sollen diese Sätze so oft wahrnehmen, bis sie sich diese Sätze eingeprägt haben und so weit verinnerlicht haben, dass sie sie (mit oder ohne Hilfestellung) sprecherisch weitestgehend verständlich wiedergeben können.

Bei diesem fast fehlerfreien Sprechen spüren sie, dass sie ihre Artikulation und ihre Stimmbildung durch die begleitende und korrigierende Unterstützung der Therapeuten tatsächlich durchführen und dass sich ihr sprecherisches Produkt verblüffend nah an der „Normalität“ bewegt.

Neue Fähigkeiten geben Auftrieb. Erfolg motiviert.

Wo kommen die neuen Fähigkeiten her ?

Funktional-motorisches Fazilitieren von Sprechbewegungen zur Laut-, Wort- Satz- und Stimmbildung führt neuropädagogisch zu neuen systematisch-geordneten Sprech-Handlungen, die sich nun in anderen, gesunden Hirnarealen „verankern“.

Wenn das Anwendungs-Training nun hochfrequent geschieht (zig, hundert Mal), dann wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieses „neue Sprechhandlungsmuster“ in diesem anderen, gesunden Hirnareal neuropädagogisch einschleift und sich zunehmend verankert. Das kann bis zur „Automatisierung“ gehen. Das führt auch zu Neuwachstum von Nervenzellen und Nerven-Leitungen (Neuronen), die aufgrund des nun neuen Auftrags „Lerne das neue Sprechen“ und „behalte das“ wachsen. Lernen führt zu neuronalem Wachstum.

Die neu gelernten, fehlerfreien Sprechhandlungen haben im Prinzip nicht viel gemein mit dem fehlerhaften, pathologischen Sprech-Handeln, was im geschädigten Sprach-Netzwerk verortet ist.

Das häufige fehlerfreie Sprech-Handeln wird sich im Laufe der Zeit in den gesunden Hirnarealen bzw. in anderen / neuen Sprach-Netzwerken fest verankern.

Die Oftmaligkeit der geführten und kontrollierten Wiederholungen der normgerechten Sprech-Handlungen wirkt sich insofern positiv aus, als sich aus der zunächst geführten Sprechhandlung zunehmend ein eigenaktives Sprechen des Satzes entwickelt. Aus einer geführten/gesteuerten Handlung wird eine „selbst gesteuerte“ Handlung.

Zu beobachten ist, dass das repetitive Stimulieren und das oftmalige, unterstützte Abrufen des normgerechten Satz-Sprechens bei den aphasischen Personen deutlich eine Häufung des eigeninitiativen, korrekten Satz-Sprechens zur Folge hat. Spontan gesprochene Sätze nehmen zu.

Das lässt Schlüsse zu:

Das sprecherische „Geführt-Werden“ zu verständlichen Aussagen auf Satzebene ruft individuelle Potenziale beim aphasischen Menschen wach und die oftmaligen Wiederholungen fehlerfreier, normgerechter Sprech-Handlungen triggern (stimulieren,aktivieren) „schlummernde“ Kompetenzen und „heben“ diese quasi. Jahrzehntelange Beobachtungen des Lernens im Umgang mit PmL-S zeigen uns, dass hochfrequentes Lernen in geordneten Wiederholungen bei allen aphasisch Betroffenen erkennbar zu stabileren funktionalen Sprech-Handlungen führt.

Unter höchster Konzentration zigmal, hundert Mal wiederholte fehlerfreie Sprech-Handlungen werden immer geläufiger, flüssiger, „normaler“.

Dieses funktionelle „Einschleifen“ neu gelernter Sprech-Handlungen ist ein äußerst wichtiger und entscheidender Therapie-Schritt im Rahmen eines ambitionierten Restitutions-Vorhabens.

Das funktionelle Einschleifen und Memorieren (Auswendiglernen) von fehlerfreien Sprech-Handlungen ist vor und während der Phase des Fähigkeits-Transfers (Alltags-Transfer) in die Alltags-Sprachanwendung unverzichtbar.

Hochfrequentes (zunächst geführtes) fehlerfreies Sprech-Handeln triggert Sprachkompetenz und Neuropsychisches.

Wir sehen, dass oftmalige Wiederholungen von stets gleichen, fehlerfreien Sprechhandlungen nach den PmL-S-Prinzipien deren neuronale Verankerung bewirken, was die Etablierung der Neu-Muster sichert.

Erkennbar sind auch assoziative Verknüpfungen, die durch geführtes, fehlerfreies Sprechhandeln aufgerufen werden. Als Beispiel sei das Sprachgefühl genannt, was bei den meisten aphasisch Betroffenen zum Ausdruck kommt, wenn Sie ihr eigenes Sprech-Handeln als richtig oder falsch korrekterweise bewerten.

Die Sprach-Kompetenz (Sprach-Bewusstsein, Erfahrung im Umgang mit Sprache, Wissen um sprachliche Zusammenhänge, Sprach-Gefühle usw.) ist im Gehirn „global“ verortet. Deshalb ist es bedeutsam, dass bei der Restitution der Sprache die Triggerung der Sprachkompetenzen beim Neu-Lernen von Sprache wegweisend ist und therapeutisch große Beachtung findet.

Obwohl das Lernen im aphasischen Status funktional ein anderes ist im Vergleich zum prämorbiden Lernen, so können die aphasie-belasteten Lernprozesse gleichermaßen durch „psychische Untermauerung“ optimiert werden.

Wir erreichen positive, stabilisierende Unterbauten des heutigen Sprache-Lernens durch den Aufbau psychischer Faktoren wie intrinsische Motivation, Ehrgeiz, dauerhafte Lern-Bereitschaft oder/und Lern-Wille.

Die psychische Bedeutung des Projekts Small talk – Basics für die Unterhaltung

Wir gehen von der Erkenntnis aus, dass die meisten aphasisch betroffenen Personen von sich aus sprecherisch kaum bis gar nicht initiativ auf andere Menschen zugehen.

Als Gründe sehen wir das verlorene Selbstbewusstsein und die Unfähigkeit, eine längere Unterhaltung zu führen. Da wollen wir therapeutisch ansetzen.

Durch symptombedingt erhöhte Passivität in der interaktionalen Sprachverwendung bleiben bei den aphasisch Betroffenen viele sprachliche Kompetenzbereiche un-getriggert. Kompetenzen liegen quasi brach. Das spürt der aphasische Mensch.

Bei vielen aphasisch betroffenen Menschen ist der Wunsch virulent, trotz der Sprach-Einschränkung nicht-aphasischen Menschen „in Gesprächen“ „auf Augenhöhe“ begegnen zu können und von ihnen Respekt und Aufmerksamkeit gezollt zu bekommen.

Wir bauen unsere Arbeit auf prämorbiden Gesprächs-Erfahrungen auf.

Alle erwachsenen aphasisch Betroffenen besitzen Erfahrungen in Gesprächs-Aufnahme und Gesprächsführung. Darauf aufbauend versuchen wir ein psychisches „Erwachen“ prämorbider Gesprächs-Kompetenzen einzuleiten und Mut zu wecken, sich über vermehrtes „Führen von Gesprächen“ wieder neues Selbst-Bewusstsein zu schaffen.

Wir versuchen, das „Gespräch“ als sehr wichtiges Interaktions-Geschehen in den Fokus zu rücken und weisen darauf hin, dass in der Aphasie-Therapie dem Gespräch über den rein dialogischen Gedanken- und Informationsaustausch hinaus eine persönlichkeits-aufbauende Wirkung zukommt.

Wer im Gespräch wieder lernt Impulse zu setzen und so das Verhalten seiner Gesprächspartner zu beeinflussen, der spürt, dass er in der Lage ist, verbal (wieder) Einfluss zu nehmen auf Inhalt und Atmosphäre eines Gesprächs.

Er spürt, dass er wieder lernt, aktiv teilzuhaben am Gespräch. Welche sprecherische und psychisch-positive Konsequenz dieses Projekt Small Talk – Basics für die Unterhaltung für die aphasisch betroffene Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben wird, wird sich bereits nach einigen Projekt-Tagen zeigen.

In dieses Projekt fließt langjährige, intensiv-therapeutische Expertise. Die besagt, dass sich bei jeder aphasisch betroffenen Person, die mental und physisch den Anforderungen des Projekts genügen kann, im Laufe der 17 Projekt-Tage deutliche Entwicklungen zeigen.

Das Projekt Small Talk – Basics für die Unterhaltung will den aphasisch Betroffenen zeigen,
dass

  • sie neues Sprech-Handeln lernen und zu der Erkenntnis gelangen können, dass sie das sprecherische Handeln in einer Unterhaltung selbst steuernd in die Hand nehmen können und das auch tun sollten,
  • sprecherisch Kontakte anderen Menschen herstellen zu können (mit Standard-Items),
  • ein Gespräch mit dem Gesprächspartner einleiten können (mit Impuls-Items),
  • ein Gespräch in Gang halten können (mit Reaktions-Items).

Die zu behandelnden Impuls-Items und Reaktions-Items werden erst zum Zeitpunkt des Projektbeginns bekannt gemacht. Die werden Grundlage sein für die sprachliche und sprecherische Anfangs-Exploration und Schluss-Exploration sowie für die gesamte Lernarbeit.

Dr. Volker Middeldorf, Leiter des Projekts Small Talk – Basics für die Unterhaltung

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